Der DAAD vermittelt rund 440 Lektorinnen und Lektoren an Hochschulen in über 110 Ländern, vorrangig im Fach Germanistik oder Deutsch als Fremdsprache. Jährlich werden ca. 100 dieser 440 attraktiven Stellen für deutsche Nachwuchswissenschaftler ausgeschrieben. Im Maghreb fördert der DAAD insgesamt sieben Lektorate. Das Lektorat im südtunesischen Gabès wurde im September 2019 neu besetzt. Die neue Lektorin stellen wir Ihnen in diesem Porträt des Monats vor.

Johanna Abel, DAAD-Lektorin

Name: Johanna Abel
Fachbereich: Angewandte Linguistik
Herkunftshochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München
Gasthochschule: Universität Gabès
Besondere Interessen: Metaphorische Kompetenz, Montessoripädagogik

 

Frau Abel, Sie sind seit September 2019 Lektorin an der Universität in Gabès. Was hat Sie dazu bewegt, sich für diese Stelle zu bewerben und was sind Ihre Aufgaben an der tunesischen Hochschule?

Mit meiner Tätigkeit als DAAD Lektorin am Institut Supérieur des Langues de Gabès schließt sich ein Kreis, denn eigentlich ist das ISLG der Startpunkt meiner Laufbahn als „DaF‘lerin“. Im Jahr 2015 habe ich ein Praktikum an dem damals recht neu geschaffenen Lektorat in Gabès absolviert.  Ich kam als Studentin der Linguistik, aus Neugier an der arabischen Sprache und mit der Motivation ein Theaterprojekt durchzuführen nach Gabès. Die dreimonatige Erfahrung hat mich persönlich sehr geprägt, fachlich bereichert und führte schließlich dazu, dass ich neben meinem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität und der Université Paris Descartes ein Fernstudium „Deutsch als Fremdsprache“ absolviert habe.

Als ich dann Ende 2017 gefragt wurde, ob ich and dem neu geschaffenen Master „Didactique de Langue Allemande“ in der Lehre mitwirken möchte, arbeitete ich in München schon als Lehrerin, musste aber nicht lange überlegen und ließ mich mit Freude auf diese Erfahrung ein. So war ich schon ab Herbst 2018 in Gabès als Ortslehrkraft tätig und unterrichtete primär linguistische Fächer. Während dieser Zeit arbeitete ich eng mit der damaligen Lektorin Selma Dündar zusammen, die drei Jahre vorher meine Chefin gewesen war. So war ich zu Antritt des Lektorats schon mit einem Großteil der Aufgaben vertraut. Das Lektorat in Gabès hat drei Säulen. Die größte und wichtigste ist am ISLG die Lehre. Ich unterrichte die linguistischen Fächer wie auch wissenschaftliches Arbeiten, hauptsächlich im Master. Daneben leiste ich per Mail oder zu Sprechzeiten im DAAD Büro Beratungsarbeit rund um Stipendienmöglichkeiten, Studium und Forschung in Deutschland. Hierzu gehören auch Sprachtests. Die dritte Säule ist die Kultur- und Spracharbeit. Bisher findet das durch kleine Feste und Filmvorführungen statt. Geplant ist die Wiederaktivierung der Theater AG und eines Deutschclubs. Ab diesem Jahr wird es hoffentlich auch eine Sprachassistenz am ISLG geben, deren Aktivitäten von mir begleitet werden. Zurzeit gibt es temporär noch ein vierte Säule, da ich stark an dem Aufbau, der Gestaltung und Organisation der neu entstandenen Partnerschaft mit der Universität Trier im Rahmen des Erasmus Programms beteiligt bin.

Welche Impulse können Sie dank Ihrer Aufgabe als Lektorin für die Weiterentwicklung des deutsch-tunesischen Austauschs geben?

Als dringende Aufgabe sehe ich im Moment die Mitarbeit an der Ausbildung qualifizierter Deutschlehrer*innen für staatliche Gymnasien und den privaten Sektor, sowie ein Engagement im Bereich des bedarfsorientierten Unterrichts, denn immer mehr Leute wollen aus unterschiedlichen Gründen die deutsche Sprache erwerben. Neben der Anziehungskraft der stabilen wirtschaftlichen Lage in Deutschland gibt es ein großes Interesse an deutscher Kultur, welches über Literatur weit hinausgeht und besonders „deutsche“ Werte, Mentalität und gesamte Lebensweisen umfasst. So können durch DAAD Aktivitäten wie Workshops und Konferenzen Reform- und Modernisierungsprozesse auf institutioneller Ebene als auch in der Zivilgesellschaft unterstützt werden.

Auf kultureller Ebene gibt es ein großes Austauschpotential. Studierende und Lehrende, die an Austauschprogrammen teilnehmen, werden zu Multiplikator*innen, im besten Fall mit ausgeprägten interkulturellen Kompetenzen. Ein Projekt das im Moment angedacht wird, ist das Übersetzen von deutschen Kurzgeschichten in das tunesische Arabisch.

Möchten Sie uns eine Anekdote aus Ihrem Universitätsalltag nach den ersten Tagen in Gabès erzählen ?

Eine fruchtbare Entdeckung war Zgougou, welches mir Studierende nach dem Feiertag Mouled (Geburtstag des Propheten Mouhammed) zum Probieren mit in die Universität brachten. Nicht nur weil die Dessertcreme aus dem Pulver der Kerne der Allepokiefer köstlich ist, sondern weil dadurch ein schöner transkultureller Moment entstand. Als die Studierenden anhand einer Mindmap ihre Assoziationen zu Mouled teilten, stellten wir fest, dass die Elemente große Ähnlichkeiten mit dem Weihnachtsfest haben. So hatten wir dann bei unserer Weihnachtsfeier im ISLG viel Freude und Gemeinschaftsgefühl dabei, „Oh Tannenbaum“ bzw. „Oh Zgougou“ zu singen.