Kurzmaßnahmen im Rahmen der „Deutsch-Arabischen Transformationspartnerschaft“ mit Partnerhochschulen in Tunesien, Marokko und Libyen

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert aus Mitteln des Auswärtigen Amtes (AA) das Programm Deutsch-Arabische Transformationspartnerschaft. Im Rahmen dieses Programms begleitet Deutschland seit 2011 die politischen Umbrüche in der arabischen Region.

Mit dem Porträt des Monats Oktober möchten wir Ihnen gerne tunesische und deutsche Partner vorstellen, die mit der Programmlinie 2 gemeinsam eine Maßnahme durchgeführt haben. Die Kurzmaßnahmen für 2020 können ab sofort neu beantragt werden: Link zur Ausschreibung für das Jahr 2020.

Porträt des Monats: Prof. Dr. Johanna Pink

Prof. Dr. Johanna Pink
Professur für Islamwissenschaft und Geschichte des Islam
Orientalisches Seminar
Universität Freiburg

 

 

Wann und wie wurde die Kooperation mit Tunesien initiiert?

Generell sind Austauschprogramme mit Ländern der arabischen Welt ein Angebot, das wir am Orientalischen Seminar der Universität Freiburg den Studierenden in der Islamwissenschaft gern und regelmäßig machen möchten, weil sie davon in jeder Hinsicht profitieren: Sie können ihre Kompetenzen im Arabischen verbessern, Landeskenntnisse erwerben, Kontakte knüpfen und ihre interkulturelle Sensibilität erhöhen. Die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Tunesien sind günstiger als in den anderen Ländern der arabischen Welt und das Land durchläuft eine spannende Entwicklung. Wir erhofften uns außerdem, den Maghreb für unsere Studierenden und auch in unseren Curricula stärker ins Blickfeld zu rücken. Durch Vermittlung eines Kollegen ergab sich Ende 2017 der Kontakt zu Anis Ben Amor an der Université de Tunis El Manar, mit dem wir uns schnell einig wurden, eine erste Anbahnungsmaßnahme zu planen.

Welche Maßnahmen haben Sie mit dem Programm „Transformationspartnerschaften“ angestoßen?

Die tunesischen Kolleginnen und Kollegen wünschten sich Kooperationspartner, die nicht nur bereit sind, sie in Deutschland willkommen zu heißen, sondern auch Interesse an Tunesien haben. Wir vereinbarten daher zunächst, eine Anbahnungsmaßnahme für 2018. Wir probierten in einem dreitägigen Workshop Formate der sprachlichen und inhaltlichen Zusammenarbeit aus und etablierten gute Kontakte unter den Dozierenden. In einer abschließenden Feedbackrunde gaben uns die Studierenden eine ehrliche Rückmeldung darüber, welche Formate gut funktioniert hatten. Auf dieser Basis beantragten wir für das Jahr 2019 Mittel für den Besuch einer großen Gruppe tunesischer Studierender und Dozierender in Freiburg.

Die tunesischen Gäste – 19 Studierende, zwei Dozierende und ein Verwaltungsleiter – nahmen gemeinsam mit zehn Freiburger Studierenden an einem Workshopprogramm teil. Außerdem organisierten die Freiburger Studierenden ein umfangreiches und vielfältiges landeskundliches Programm, das neben klassischen Unternehmungen wie einer Münsterführung, einem Besuch im Freilichtmuseum und einer Wanderung auf dem Schauinsland auch eine Unternehmensbesichtigung und einen Kochabend umfasste. Der Verwaltungsleiter des Institut Supérieur des Sciences Humaines machte sich parallel mit der Arbeit des International Office und der Universitätsbibliothek vertraut.

Das Workshopprogramm diente der Diskussion von landeskundlichen Themen, von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Deutschland und Tunesien sowie der Beziehungen zwischen beiden Ländern. Am Ende formierten sich Kleingruppen von drei bis vier Personen, die sich jeweils ein Thema wählten. Diese reichen von Religion über Umweltschutz, die deutsch-tunesischen Beziehungen bis hin zur Arbeit deutscher Institutionen in Tunesien. Die Ergebnisse werden voraussichtlich auf einem Abschlussworkshop in Tunis im Frühjahr 2020 präsentiert.

Was planen Sie für die zukünftige Zusammenarbeit mit den tunesischen Partnern?

Im Programm „Hochschuldialog mit der islamischen Welt“ möchten wir im kommenden Jahr die Zusammenarbeit fortsetzen und erweitern. Wir möchten den Studierenden die Gelegenheit geben, die Ergebnisse ihrer Gruppenarbeit auf einer deutsch-arabischen Webseite zu veröffentlichen, und damit auch eine breitere Öffentlichkeit zu interessieren. Außerdem streben wir die Fortsetzung des Verwaltungsaustauschs an, der es der tunesischen Partnereinrichtung ermöglichen soll, ihre Verwaltungsabläufe zu verbessern und eine gut strukturierte geisteswissenschaftliche Bibliothek aufzubauen. Eine wichtige Komponente des Projekts wird der Austausch von Gastdozierenden sein, die an der Partnereinrichtung Blockseminare halten. An der Université de Tunis El Manar besteht großer Bedarf an deutschsprachigen Lehrveranstaltungen, während an der Universität Freiburg die tunesischen Dozierenden das Veranstaltungsangebot zum Beispiel im Hinblick moderne maghrebinische Literaturen und Gesellschaften sowie auf Sprachpraxis und arabische Dialekte bereichern . Mittelfristig ist es denkbar, auch andere Institute an den beiden Universitäten für eine Partnerschaft zu interessieren.

Porträt des Monats: Dr. Anis Ben Amor

Dr. Anis Ben Amor, Direktor der Abteilung für Angewandte Fremdsprachen
Universität Tunis El Manar, Institut Supérieur des Sciences Humaines de Tunis

 

 

Im September dieses Jahres haben sie im Rahmen der Transformationspartnerschaften eine Studienreise nach Freiburg organisiert. Wie war das Feedback der tunesischen Studierenden?

Im Rahmen der Kooperation mit dem Fachbereich Islamwissenschaften der Universität Freiburg waren die tunesischen Studenten, zwei Dozenten und der Verwaltungsleiter für 10 Tage an der Universität Freiburg. Sie konnten sich mit ihren deutschen Mitstudenten austauschen und vor allem landeskundliche Themen miteinander behandeln.

Der Besuch setzt eine bereits im September 2018 begonnene Kooperation mit der Universität Freiburg fort. Für die meisten tunesischen StudentInnen war dies ein einmaliges und beeindruckendes Erlebnis und vielfach die erste Auslandserfahrung. Dies hat dazu geführt, dass viele BA-Absolventen jetzt motiviert sind, ein Masterstudium aufzunehmen und die Masterstudenten streben an, ihr Studium in Deutschland zu vertiefen oder im deutschsprachigen Ausland das Studium fortzusetzen. Die Studenten entdeckten durch das Projekt, dass ein Studienaufenthalt in Deutschland mit DAAD-Mitteln möglich sein kann.

Welchen Mehrwert sehen Sie für die tunesischen Deutschstudierenden bei einer Kooperation mit dem Fachbereich Orientalistik/Islamwissenschaft?

Die meisten Studenten wussten vor der Studienreise nicht, dass es in Deutschland und in Europa eine lange akademische orientwissenschaftliche/islamwissenschaftliche Tradition gibt. Das besondere deutsche bzw. europäische Interesse an der islamischen Welt war neu für sie.

Da die tunesischen Studenten ihre Beschäftigungschancen verbessern wollen, ist das Projekt eine ausgezeichnete Möglichkeit, um interkulturellen Kompetenzen aufzubauen. Dies trägt zur Verbesserung des kulturellen Kapitals der Studenten bei. Gleichzeitig werden die Soft Skills, insbesondere die sozialen Kompetenzen der Studenten, wie z.B. Kommunikation mit anderen Kulturen trainiert und verbessert. So haben die Studenten an der Universität und in der Stadt nicht nur mit ihren deutschen Kommilitonen gesprochen, sondern auch mit Vertretern anderer Gruppierungen in Freiburg wie Türken und Polen. Dabei entstand ein Bewusstwerden, dass in Deutschland verschiedene Kulturen friedlich koexistieren. Sie haben ein offenes und tolerantes Land kennengelernt.

Der Austausch war für beide Seiten ein großer Erfolg und das besondere Engagement der deutschen und tunesischen Partner hat den Austausch sehr positiv bereichert.