Mit seinem Programm „Sprachassistenzen an Hochschulen im Ausland“ fördert der DAAD aktuell mehr als 150 Sprachassistenzen in 80 Ländern weltweit.

Lucie Weismüller ist seit September 2020 DAAD Sprachassistentin an der Tunis Business School und unterrichtet dort studienbegleitend Deutsch.

Lucie Weismüller, DAAD Sprachassistentin
Herkunftshochschule: Universität Erfurt
Fachbereich: Internationale Beziehungen
Gasthochschule: Tunis Business School
Besondere Interessen: die arabische Sprache und Kultur

Lucie, kannst du uns einen typischen Universitätsalltag beschreiben? Was hat dich überrascht – im positiven wie auch negativen Sinne? Und wo liegen angesichts der Pandemie die besonderen Herausforderungen deines Unterrichts?

Seit September arbeite ich an der Tunis Business School als Sprachassistentin. Die TBS gibt es erst seit 2010 und sie ist die einzige staatliche Fakultät in Tunesien, die nur auf Englisch unterrichtet. An der TBS werden vorwiegend Wirtschaftsabschlüsse angeboten und der Deutschunterricht, den ich gebe, ist für die Studierenden ein Wahlfach.

Der Universitätsalltag unterscheidet sich nicht sehr stark vom deutschen: Die Studierenden haben Vorlesungen und Seminare und zudem noch die Möglichkeit, sich in Uni-Clubs zu engagieren. Ich unterrichte drei Kurse pro Woche, zwei für Studierende und einen für Universitätsmitarbeiter und Dozenten. Bei allen drei Gruppen war ich sehr überrascht, wie motiviert, engagiert und interessiert die Teilnehmer an Deutschland und der deutschen Sprache sind, und wie gut die technische Ausstattung der Uni ist.

Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Studierenden weniger selbstständig sind als in Deutschland und der Aufbau und Fokus des Studiums sehr prüfungslastig sind und viel auswendig gelernt wird. Auch sind die Gruppen für Anfängersprachunterricht sehr groß und zwei meiner Sprachkurse ähneln daher eher einer Vorlesung, als einem Sprachkurs im klassischen Sinne.

Während meiner ersten Wochen in Tunesien hatte die TBS noch geöffnet, und der Universitätsalltag lief mit einem Hygienekonzept in seinen gewohnten Bahnen. Anfang November hat die tunesische Regierung wegen steigender Fallzahlen beschlossen, den Präsenzbetrieb an den Universitäten zu suspendieren.

Da der Internetempfang nicht überall in Tunesien verlässlich ist, stellt sich der Onlineunterricht – gerade mit großen Gruppen – als schwierig dar. Darum habe ich mich entschieden, meinen Studierenden vertonte Präsentationen mit vielen Hausaufgaben zu senden, die sie mir dann zurückschicken. Auch biete ich in kleineren Gruppen wöchentliche Onlinetreffen an, in denen wir uns mit bestimmten grammatikalischen Themen beschäftigen.

Dennoch habe ich das Gefühl, dass der beidseitige Lerneffekt durch den Onlineunterricht deutlich geringer als im Klassenraum ist und freue mich darauf, nun wieder in Person mit den Studierenden im Hörsaal sein zu dürfen.