DAAD Stipendien für libysche Bewerberinnen und Bewerber.

Wie kann man sich gut vorbereiten und worauf muss man achten?

DAAD Stipendien sind sehr begehrt und mit viel Renommee verbunden. Aus diesem Grund sind die Ansprüche an DAAD-Stipendiatinnen und -Stipendiaten weltweit sehr hoch. Neben den gewünschten Fachkenntnissen, spielen auch Studienleistungen, Sprachkenntnisse und außercurriculare Aktivitäten beim Auswahlprozess eine Rolle. Der DAAD empfiehlt den Bewerberinnen und Bewerbern sich rechtzeitig zu informieren. Die Möglichkeiten für libysche Interessenten hierfür sind vielfältig: Neben der monatlichen Online-Sprechstunde der Außenstelle Tunis bieten wir eine wöchentliche Telefonsprechstunde und beraten per E-Mail. Darüber hinaus werden regelmäßig online Info-Seminare zu diversen hochschulbezogenen Themen angeboten. Auf dem YouTube-Kanal der Außenstelle Tunis gibt es zudem Aufzeichnungen vergangener Veranstaltungen, die jederzeit abrufbar sind. Wir empfehlen vom ersten Infosammeln bis zur Abreise nach Deutschland einen Vorlauf von ca. anderthalb Jahren.

Die Auswahl selbst ist ein mehrstufiges Verfahren. Zunächst begutachtet eine unabhängige Auswahlkommission aus regionalen Hochschullehrenden die Bewerbungen. Je nach Stipendienprogramm müssen potenzielle Stipendiatinnen und Stipendiaten sich entweder persönlich (oder virtuell) vorstellen oder die Begutachtung erfolgt auf Papierlage.

Das Auswahlgespräch findet in der Regel auf Englisch statt. Nicht nur deswegen sind sehr gute Englischkenntnisse für ein DAAD-Stipendium notwendig. Auch später an der deutschen Hochschule wird Englisch wichtige Kommunikationssprache sein, ganz zu schweigen von der internationalen Fachliteratur, die es zu bewältigen gilt.

Im Bewerbungsgespräch geht es zunächst noch nicht ausschließlich darum sich fachlich zu profilieren, sondern auch darum, sich selbst und seine Visionen vorzustellen. Dabei ist es wichtig darzulegen, warum ein Aufenthalt in Deutschland für den weiteren Karriereverlauf wichtig ist und wie der Auslandsaufenthalt in die akademische und berufliche Entwicklung passt. Wer diese erste Hürde erfolgreich genommen hat, dessen Bewerbung wird zum nächsten Auswahlschritt nach Deutschland weitergeleitet. Etwa sechs bis acht Monate nach Einreichen der Bewerbung erhalten die Bewerberinnen und Bewerber  eine Nachricht des DAAD mit dem abschließenden Ergebnis.

Nähere Informationen zu den DAAD Stipendienprogrammen und die jeweilige Ausschreibung befinden sich auf der Stipendiendatenbank: www.funding-guide.de.

Im Rahmen unserer monatlichen Interviews mit Alumni, Hochschulpartnern und Stipendiaten aus dem Maghreb stellen wir Ihnen diesen Monat Mohamed Alriadh aus Libyen vor. Mohamed ist Dank des DAAD Stipendienprogramms „Forschungsstipendien“ seit September 2021 in Deutschland und arbeitet an seiner Dissertation an der Universität Frankfurt. Gemeinsam mit seinem Betreuer erforscht er die paläologischen Auswirkungen in As Sahbi im Nordwesten Libyens.

  1. Worum genau geht es in Ihrem Forschungsprojekt?

Meine Forschung konzentriert sich auf die Untersuchung von Fossilien aus Libyen (Sahabi-Gebiet), insbesondere der Säugetierfauna. Mit dieser Studie wird versucht, die Paläoökologie dieses Gebiets zu erforschen und Fragen zu den Veränderungen zu beantworten, die im späten Miozän und frühen Pliozän stattfanden. Dieser Zeitabschnitt ist sehr wichtig, da er eine Zeit großer klimatischer und tektonischer Veränderungen in der Geschichte der Hominidae darstellt.

  1. Worin liegt der Mehrwert für Sie und Ihre libysche Heimathochschule in der Kooperation mit der Universität Frankfurt?

Die Universität Frankfurt und das Senckenberg Naturmuseum sind angesehene Institutionen und ich bin sehr privilegiert, dass ich mit beiden zusammenarbeiten kann. Für die Bereiche Paläobiologie und Paläoökologie sind sie ideale Studienorte und ich bin sicher, dass die Universität Benghazi sehr von dieser Kooperation profitieren wird. Ich hoffe, dass diese Zusammenarbeit sich in der Zukunft auch auf andere Bereiche ausweiten wird.

  1. Was planen Sie für Ihre akademische Laufbahn, wenn Sie Ihre Promotion in Deutschland abgeschlossen haben?

Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der geowissenschaftlichen Abteilung der Universität Benghazi gearbeitet. Nach dem Abschluss meiner Promotion plane ich dorthin zurückzukehren und eine Schule und ein Museum für Naturgeschichte in Benghazi zu gründen. Ich werde auch versuchen, die Tierwelt zu schützen, die immer noch durch die unverantwortlichen Aktivitäten vieler Menschen gefährdet ist, indem ich mit der Regierung und den Tierschutzaktivisten zusammenarbeiten.