Porträt des Monats Dezember 2025

In diesem Monat stellen wir Ihnen das zwölfte und letzte Porträt des Jahres 2025 vor – und es lohnt sich, hineinzulesen. Wir präsentieren Ihnen Basma Jalloul, ehemalige Stipendiatin im DAAD-Forschungsstipendienprogramm für sechs Monate an der Universität Passau und seit Kurzem DAAD-Research Ambassador für Tunesien im Maghreb-Netzwerk. Ihre Laufbahn zeigt, wie prägend ein Forschungsaufenthalt in Deutschland sein kann – für die wissenschaftliche Entwicklung, für persönliche Perspektiven und für neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Tunesien und Deutschland. Aktuell forscht sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und vertieft dort ihre wissenschaftliche Arbeit.
© Jalloul

 

  • Name: Basma Jalloul
  • Heimatinstitution: Universität Sfax, Tunesien
  • Institution in Deutschland / Gastinstitution: Universität Passau
  • Studienfach: Informatik – Künstliche Intelligenz
  • Name des Stipendiums: Research Grants – Short-Term Grants
  • Aufenthaltszeitraum: Oktober 2024 – März 2025

„Welche Erinnerungen und Erfahrungen aus Ihrer Zeit als DAAD-Stipendiatin bzw. DAAD-Stipendiat in Deutschland haben Sie besonders geprägt, und inwiefern beeinflussen sie noch heute Ihren beruflichen Werdegang oder Ihre persönliche Perspektive?“

Meine wissenschaftliche Laufbahn begann im MIRACL-Labor der Universität Sfax, wo ich meine ersten Forschungserfahrungen sammelte und mich mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz im Gesundheitsbereich beschäftigte. Dort lernte ich, mit begrenzten Ressourcen kreativ umzugehen, Lösungen eigenständig zu entwickeln und Projekte umzusetzen, die über die reine Theorie hinausreichen. Die Unterstützung meiner Betreuerinnen und Betreuer sowie die Vielfalt der Kooperationen innerhalb der Universität gaben mir das Vertrauen, einen anspruchsvollen und langfristig angelegten Forschungsweg einzuschlagen.

Auf dieser Grundlage konnte ich mit Unterstützung des DAAD ein sechsmonatiges Forschungspraktikum an der Universität Passau absolvieren. Dieser Aufenthalt war für mich keine Zäsur, sondern eine logische Weiterführung meiner bisherigen Arbeit in Tunesien. Statt Unterschiede wahrzunehmen, erkannte ich, wie sehr sich beide Umfelder ergänzen: Die Selbstständigkeit, Flexibilität und Problemlösungskompetenz aus Sfax erleichterten mir den Einstieg in Passau, während die strukturierten Arbeitsweisen und besseren infrastrukturellen Bedingungen meine Forschungsfragen weiterentwickelten und vertieften.

Wissenschaftlich bot mir das DAAD-Stipendium die Möglichkeit, neue Formen der Forschungsorganisation kennenzulernen – mit klaren Abläufen, methodischer Präzision und internationaler Zusammenarbeit als Grundprinzipien. Diese Erfahrung hat meine Arbeitsweise verfeinert, mir geholfen, Projekte effizienter zu planen und meinen Blick stärker auf internationale Entwicklungen auszurichten. Gleichzeitig wuchs mein Interesse an interdisziplinären Ansätzen, insbesondere dort, wo medizinische Expertise und KI-Methoden zusammenfinden.

Auch persönlich war die Zeit in Deutschland prägend. Allein in einem neuen Umfeld zu leben, eine andere Kultur kennenzulernen und ungewohnte Situationen zu meistern, stärkte mein Selbstvertrauen, meine Eigenständigkeit und meine innere Sicherheit. Diese Erfahrung wirkt bis heute nach und hat wesentlich dazu beigetragen, wie ich meinen Platz in der akademischen Welt sehe.

Während meines Aufenthalts gewann ich zudem einen vertieften Einblick in internationale Forschungsdynamiken, vor allem im Bereich künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen. Die schnelle Entwicklung in diesem Feld erfordert kontinuierlichen Austausch zwischen Disziplinen, Methoden und Perspektiven. In Deutschland lernte ich Arbeitsweisen kennen, die meine bisherigen Erfahrungen sinnvoll erweiterten – zum Beispiel im Datenmanagement, bei Validierungsprozessen oder in fachübergreifenden Teams. Das hat mir geholfen, ein wissenschaftliches Profil zu entwickeln, das stärker an internationalen Standards orientiert ist.

Mein Aufenthalt markierte auch nicht das Ende meiner Verbindung zu Deutschland, sondern den Beginn weiterer Zusammenarbeit. Derzeit arbeite ich an einem gemeinsamen tunesisch-deutschen Projekt, das direkt an die Kontakte aus Passau anknüpft. Weitere Vorhaben sind in Vorbereitung – ein Zeichen dafür, dass die erste Forschungsphase den Grundstein für eine langfristige Kooperation gelegt hat und meinen Wunsch bestärkt, zur wissenschaftlichen Vernetzung zwischen Tunesien und Deutschland beizutragen.

Diese Haltung war für mich auch ein wichtiger Grund, die Rolle als DAAD-Research Ambassador für Tunesien im Maghreb-Netzwerk anzunehmen. Diese Aufgabe bedeutet mir viel, weil ich dadurch meine Erfahrungen weitergeben, Studierende und Forschende begleiten und das Interesse an akademischen Wegen in Deutschland stärken kann. Ich möchte dazu beitragen, dass mehr junge Menschen Mobilität als Chance für ihre persönliche und berufliche Entwicklung sehen und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten gewinnen.

Rückblickend hatte mein DAAD-Stipendium trotz seiner kurzen Dauer einen tiefgreifenden und nachhaltigen Einfluss. Die Verbindung meiner Erfahrungen in Sfax mit der internationalen Perspektive in Passau hat meinen Blick auf die Forschung erweitert, meine beruflichen Ziele geschärft und mein Engagement für die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Tunesien und Deutschland weiter gestärkt. Bis heute ist diese Zeit für mich eine Quelle von Motivation, Dankbarkeit und Verantwortung – gegenüber meiner Heimatuniversität, gegenüber dem DAAD und gegenüber kommenden Forschergenerationen, die ich auf ihrem Weg unterstützen möchte.

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