Porträt des Monats November 2021

Mit diesem Porträt des Monats stellen wir Ihnen einen erfolgreichen jungen tunesischen Germanisten vor.

© Inga Haar

Der DAAD war an wichtigen Stellen seiner Karriere Wegweiser: Neben dem beliebten Hochschulsommerkursstipendium hat er auch eine Förderung für ein Masterstudium DaF-Didaktik an der Deutsch-Jordanische Universität erhalten. Abdelhamid Bessi erhielt zudem ein Internationales Parlaments-Stipendium. Wir haben ihn befragt!

Name: Abdelhamid Bessi

Heimathochschule: Universität La Manouba, Fakultät der Philologie

Fachbereich: Master Germanistik (Verfilmte Literatur)

Masterarbeit an der Universität La Manouba unter dem Titel „Der Roman ‚Berlin Alexanderplatz – Die Geschichte vom Franz Biberkopf‘ und seine letzte Verfilmung von Qurbani im Vergleich“

Zweiter Master Deutsch als Fremdsprache Masterarbeit an der Deutsch-Jordanischen Universität unter dem Titel „Vermittlung kultureller und geschichtlicher Aspekte durch den Film ‚Werk ohne Autor‘ im DaF-Unterricht“

  1. Können Sie beschreiben, inwiefern diese Förderungen Sie in Ihrer akademischen Karriere vorangebracht haben?

Ich habe schon im tunesischen Gymnasium angefangen Deutsch zu lernen, und dies war kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung. Ich habe mich schon immer sehr für Sprachen und Kulturen interessiert, deshalb habe ich mich nach dem Abitur für ein Germanistikstudium entschieden. Für mich ist es wichtig, im Ausland studieren zu können, denn man bekommt die Chance neue Kulturen und Perspektiven kennenzulernen. Ich habe mich sehr gefreut, als ich 2017 die Möglichkeit hatte, mit einem DAAD-Stipendium an der Deutsch-Jordanischen Universität (GJU) in Jordanien und an der Philipps-Universität Marburg in Deutschland weiter zu studieren. Es war für mich eine gute Gelegenheit, das DaF-Studium abzuschließen, denn diesen Studiengang gab es damals in Tunesien nicht. Die GJU orientiert sich mit ihrer praxis- und anwendungsorientierten Ausbildung am Modell der deutschen Fachhochschule. Dort habe ich die theoretischen, methodischen und praktischen Kenntnisse sowie Kompetenzen für die Unterrichtskommunikation vertiefen können. Im letzten September habe ich mithilfe des Programms „Internationales Parlaments-Stipendium“ (IPS) Programm Arabische Staaten in Berlin eine neue großartige Erfahrung gemacht und viel über die repräsentative Demokratie und das parlamentarische System der BRD gelernt.

  1. In Deutschland haben dieses Jahr Bundestagswahlen stattgefunden. Sie waren im Rahmen des Programms „Internationales Parlaments-Stipendium“ (IPS) in Berlin und haben diese spannende Zeit miterlebt. Was waren Ihre allgemeinen Eindrücke?

Ich habe vier Wochen lang im Rahmen des Internationalen Parlaments-Stipendiums für arabische Staaten die repräsentative Demokratie und das parlamentarische System der BRD in dem Dynamo der deutschen Demokratie, dem Bundestag, kennengelernt. Das vierwöchige Programm umfasste unter anderem Vorträge zur deutschen Geschichte und zur Funktion des deutschen parlamentarischen Systems sowie des Wahlsystems und Wahlrechts. Es gab ebenfalls Workshops und Seminare zu den Themen Pressefreiheit und ethnische Veröffentlichungsstandards, Religionsfreiheit, Menschenrechtsund Minderheitenfragen.

Höhepunkt des Programms war das Praktikum im Wahlkreis des Patenabgeordneten unmittelbar vor der Bundestagswahl 2021. Mein Praktikum war im Wahlkreis Wuppertal I in NRW bei dem Abgeordneten Helge Lindh (SPD), der in der auslaufenden 19. Legislaturperiode Mitglied im Innenausschuss und im Ausschuss für Kultur und Medien war.

Zur Bundestagswahl 2021 trat er erneut im Wahlkreis Wuppertal I mit einem Erststimmenergebnis von 37,3 % an. Hinter diesem Ergebnis steckt natürlich viel Arbeit. Im Praktikum habe ich vor allem erlebt, wie ein erfolgreicher Wahlkampf funktioniert. Denn der Tag beginnt schon früh morgens mit Gesprächen und Diskussionen mit den Arbeiterinnen und Arbeitern in den Betriebshöfen, dann Gespräche mit Organisationen der Zivilgesellschaft, Haustürwahlkämpfe, Teilnahme an Demos wie globaler Klimastreik, Infostände, Kneipentouren und vieles mehr. Diese Erfahrung war wirklich großartig!

Ich hatte auch die Möglichkeit, andere Mitglieder der SPD-Partei und SPD-Ratsfraktion Wuppertals zu treffen. So habe ich erfahren, dass Wuppertal eine offizielle Städtefreundschaft mit Tabarka hat. Darüber freute ich mich sehr.

Das Programm war am Anfang leider nur virtuell. Der Austausch mit den anderen 33 IPS-Stipendiaten aus zehn arabischen Staaten war sehr wichtig, denn wir konnten in den Pausen und am Abend in unserer Küche oder im Hof viel über die politischen Systeme unserer Länder lernen. Die Vielfalt der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermöglichten es mir, neue Erfahrungen und Kenntnisse zu sammeln und die verschiedenen Perspektiven und Denkweisen der anderen zu verstehen.

  1. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Man muss nicht unbedingt Politikwissenschaften oder Jura studieren, um Politik zu machen. Ich glaube, man macht Politik, wenn man die Motivation dafür hat, etwas gestalten zu wollen.

So habe ich die Vorstellung von einer bestimmten kulturellen Bildungspolitik, die ich nicht nur als zukünftiger potenzieller Politiker umsetzen möchte, sondern auch als kultureller Akteur und Dozent, da ich momentan Präsident des Filmklubs „Ciné-Club de Tunis“ tätig bin. Politik ist für mich eine Leidenschaft, die ich verfolgen möchte. Hauptberuflich plane ich aber im Bereich Germanistik bzw.

DaF zu promovieren. In diesem Zusammenhang nehme ich an Kolloquien für Promovierende und Workshops zu einem DAAD-Forschungsprojekt unter dem Namen „Interkulturelle Diskurse“ teil. Es handelt sich hier um eine Zusammenarbeit von drei Universitäten, Universität Jendouba und Universität La Manouba aus Tunesien und die Universität Paderborn aus Deutschland.

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