Der DAAD fördert seit vielen Jahren an der Mohamed V Universität in Rabat ein Lektorat an der Deutschabteilung. Im Mai 2022 trat ein neuer Lektor seinen Dienst an.

Name: Michael Alszer

Fachbereich oder Spezialgebiet: Angewandte Linguistik

  1. Herr Alszer, herzlichen Glückwunsch zur neuen Aufgabe. Können Sie uns erzählen, was die Aufgaben eines DAAD-Lektors sind? Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Vielen Dank, ich freue mich sehr darüber, dass ich die Kolleginnen und Kollegen der Mohammed V Universität in Rabat als DAAD-Lektor fortan unterstützen darf und bin sehr gespannt darauf, welche Aufgaben mich im Rahmen des Lektorats hier in Marokko noch erwarten. Diese können nämlich sehr vielfältig sein und somit ist auch der konkrete Arbeitsalltag eines/r Lektors/in an jedem Standort anders – was in meinen Augen auch den Reiz dieser Tätigkeit ausmacht. Im Grundsatz haben DAAD-Lektorinnen und -Lektoren aber überall eine gemeinsame Funktion, die in erster Linie die Lehre an der Gasthochschule umfasst. Bei mir sind das z.B. Seminare und Vorlesungen in den Bereichen Sprach- und Literaturwissenschaften, die „klassische“ Germanistik also. An anderen Standorten kann das aber auch z.B. studienbegleitender Deutschunterricht sein, oder vielleicht Lehrveranstaltungen zur Methodik und Didaktik für angehende DaF-Lehrkräfte. Auch die interkulturelle Kommunikation ist vertreten, genauso wie die Übersetzungswissenschaft. Eine bunte Palette also, zu der – und auch das ist an den jeweiligen Standort gekoppelt – natürlich noch weitere Aufgaben hinzukommen. Als Geförderte des DAAD bilden die Lektoren und Lektorinnen nämlich eine Verbindung zur deutschen Studien- und Forschungslandschaft und bieten somit, im jeweiligen Gastland, umfangreiche Beratungsmöglichkeiten für (angehende) Studierende sowie Graduierte an, die an einem Studien- bzw. einem Forschungsaufenthalt in Deutschland interessiert sind. DAAD-Lektorinnen und -Lektoren nehmen zudem an Bildungsmessen teil und agieren in der Regel gemeinsam mit anderen Akteuren der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik wie z.B. dem Goethe Institut, der Deutschen Welle oder der AHK.

  1. Als DAAD-Lektor arbeiten Sie sehr eng mit marokkanischen Studierenden zusammen. Wie ist Ihr bisheriger Eindruck? Sehen Sie Unterschiede zu deutschen Studierenden?

Ich war von Anfang an von der Neugier der Studierenden angetan, die ich an der Deutschabteilung „meiner“ Gasthochschule kennengelernt habe. Sie haben wirklich Lust auf Deutsch, auf ihr Studium im Allgemeinen und darauf, ihren Wissenshorizont zu erweitern und sich auszutauschen. Ist das an deutschen Hochschulen anders? Ich denke nicht. Ich hoffe es zumindest. Natürlich sind nicht alle Studierenden gleichermaßen motiviert, aber in der Regel entscheidet man sich ja aus freien Stücken für ein Hochschulstudium und das ist, egal wo man ist, stets die beste Voraussetzung für Erfolg. Unterschiede sehe ich aber bisher in den Rahmenbedingungen des Studiums. In Marokko ist es z.B. nicht unüblich, dass Studierende lange Anfahrtswege auf sich nehmen müssen, um täglich zur Uni zu kommen. Zwar gibt es auf dem Campus Wohnheime, aber bei weitem nicht in ausreichender Anzahl. Und so kommt man oft auch bei Verwandten unter, was für die Studierenden erstmal eine Hilfe ist. Andererseits kommt eine solche Wohnsituation aber auch mit konkreten Verpflichtungen daher. Zudem sind die jungen Akademikerinnen und Akademiker dann auch einer gewissen sozialen Kontrolle ausgesetzt, was nicht zuletzt auch zu Erfolgsdruck und dadurch zu Stresssituationen führen kann.

  1. Was würden Sie jemandem empfehlen, der/die DAAD-Lektor/-in werden möchte?

Ich würde den potenziellen Lektorinnen und Lektoren empfehlen, sich wirklich gut auf das Auswahlgespräch vorzubereiten. Dazu gehört zunächst, sich mit der Ausschreibung für den konkreten Lektoratsstandort vertraut zu machen und sich dabei mit den spezifischen Anforderungen zu befassen – auch aus Sicht der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik der Bundesrepublik. Daneben ist es immer ratsam, die aktuellen Tendenzen der deutschsprachigen Literatur zu kennen. Und sich grundsätzlich mit den folgenden Fragen zu befassen: Was ist kulturell und politisch gerade besonders relevant? Worüber schreibt die deutschsprachige Tages- und Wochenpresse? Natürlich sollte man auch die wichtigsten Förderprogramme und Instrumente des DAAD kennen. Dazu kann sicherlich auch ein Blick auf die Internetseiten der DAAD-Außenstelle in der entsprechenden Region sehr hilfreich sein. Die Ausschreibungen für das Jahr 2023 werden wohl im Herbst veröffentlicht und ich wünsche jedem/r Bewerber/in viel Erfolg bei diesem Prozess. Es lohnt sich, in jeder Hinsicht!

  1. Können Sie uns eine Anekdote aus Ihrem Alltag in Rabat erzählen?

Als ich im April in Rabat ankam, wollte ich gerne gleich Anschluss finden und war daher regelmäßig mit einer Kollegin aus Meknès in Kontakt. Es war von Anfang an ein toller Austausch und wir haben uns sehr gut verstanden. Eines Tages rief sie mich an und sagte: „Hier ist jemand, der dich gerne sprechen möchte!“ Sie reichte den Hörer weiter und zu meiner Überraschung war da plötzlich Zaid, ein Absolvent der German Jordanian University (GJU), an der ich selbst einige Jahre als DAAD-Lektor tätig war. Zaid hatte dort, in Jordanien also, neben seinem eigentlichen Studium als angehender Ingenieur Deutsch gelernt und in einem dieser Deutschkurse an der GJU war ich sein Lehrer. Inzwischen hatte er angefangen, in Deutschland zu arbeiten, für ein Unternehmen, welches in Marokko für den Ausbau erneuerbarer Energien zuständig ist. Und so kam Zaid im Rahmen einer Dienstreise nach Marokko, nahm an seinem freien Tag zufällig an einer Stadtführung durch die Medina von Rabat teil, bei der eben meine Kollegin und ihr Ehemann auch waren und als man sich zu unterhalten anfing, hatte man schnell mich als gemeinsamen Bekannten identifiziert. Wir haben alle nicht schlecht gestaunt und Zaid und ich haben uns dann später natürlich noch getroffen. Das Klischee von der kleinen Welt wird doch einfach immer wieder aufs Neue bestätigt.