Porträt des Monats November 2025

- Name: Younes Slimi
- Heimatuniversität: Institut für Optik und Feinmechanik, Universität Ferhat Abbas Sétif 1, Algerien
- Gastinstitution in Deutschland: Technische Physik I, Institut für Physik, Technische Universität Ilmenau, Deutschland
- Studienfach: Physik
„Welche Erinnerungen und Erfahrungen aus Ihrer Zeit als DAAD-Stipendiatin in Deutschland haben Sie besonders geprägt, und inwiefern beeinflussen sie noch heute Ihren beruflichen Werdegang oder Ihre persönliche Perspektive?“
Als ich das DAAD-Stipendium erhielt, um meine Doktorarbeit an der Technischen Universität Ilmenau fortzusetzen, konnte ich noch nicht ahnen, wie sehr diese Erfahrung meine wissenschaftliche Laufbahn und meine Sicht auf die Welt verändern würde. Sie markierte für mich den Beginn eines Weges, auf dem sich Wissenschaft, Zusammenarbeit und kulturelle Offenheit zu einer sinnstiftenden Einheit verbanden.
Im Labor für Technische Physik I arbeitete ich unter der Betreuung von Professor Stefan Krischok an der Entwicklung und optischen Charakterisierung von Halbleiter-Dünnschichten. Dabei lernte ich nicht nur Forschung auf höchstem Niveau kennen, sondern auch eine zutiefst kollegiale und menschliche Art, Wissenschaft zu betreiben. Die fachlichen Diskussionen mit meinen Kolleginnen und Kollegen, die exzellente Ausstattung der Labore und der direkte Austausch mit internationalen Expertinnen und Experten haben mir die Bedeutung von Ausdauer, Teamarbeit und Zielbewusstsein vor Augen geführt.
Besonders prägend war jedoch das menschliche Umfeld. Schon zu Beginn wurde ich von meinem Team an der Technischen Physik I mit großer Herzlichkeit und Respekt aufgenommen. Die Unterstützung, Ermutigung und Geduld meiner Kolleginnen und Kollegen haben mir den Einstieg in das deutsche Forschungssystem enorm erleichtert. Dabei habe ich gelernt, dass Vertrauen und Zusammenarbeit das Fundament jeder erfolgreichen wissenschaftlichen Arbeit bilden.
Dieser Weg wäre ohne die beständige Unterstützung zweier außergewöhnlicher Persönlichkeiten nicht möglich gewesen: Professor Bouafia, der mich von Anfang an dazu ermutigte, den Schritt in eine internationale Forschungserfahrung zu wagen, und Professor Krischok, dessen Vertrauen und Wohlwollen mich durch meine gesamte Promotionszeit begleiteten. Auch nach seiner Pensionierung steht mir Professor Bouafia weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. Seine Großzügigkeit und sein Engagement für die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Algerien und Deutschland sind für mich bis heute eine große Inspiration.
Heute koordiniere ich mehrere vom DAAD geförderte Projekte – darunter Ta’ziz Kurzmaßnahmen und Hochschuldialog mit der islamischen Welt –, die diese wissenschaftliche und persönliche Erfahrung fortführen. Ziel dieser Projekte ist es, die Kooperation zwischen der TU Ilmenau und algerischen Hochschulen auszubauen, die Studierendenmobilität zu fördern und junge Forschende zu unterstützen. Dabei versuche ich, die Werte weiterzugeben, die ich dank des DAAD verinnerlicht habe: Exzellenz, Offenheit und Verantwortung.
Mein Aufenthalt in Deutschland hat mir zudem gezeigt, dass Vielfalt eine Bereicherung ist und der interkulturelle Dialog die wissenschaftliche Kreativität beflügelt. Das Erlernen der deutschen Sprache, das Einleben in eine neue Umgebung und das Teilen meiner kulturellen Wurzeln waren sowohl Herausforderungen als auch wertvolle Gelegenheiten, persönlich und beruflich zu wachsen.
Bis heute trägt jedes Projekt, das ich initiiere, die Spuren dieser prägenden Zeit. Der DAAD hat mir nicht nur ein Stipendium ermöglicht, sondern mir einen Weg eröffnet – den Weg einer Wissenschaft, die Brücken zwischen Kulturen baut und dem nachhaltigen Fortschritt dient. Zum 100-jährigen Jubiläum des DAAD empfinde ich daher tiefe Dankbarkeit, Teil dieser Geschichte zu sein, und bin überzeugt, dass der akademische Austausch auch künftig ein zentraler Motor für Fortschritt und gegenseitiges Verständnis bleiben wird.